Wer sich mit den Chroniken der Lesezirkel beschäftigen möchte, der muss bis an den Beginn des 17. Jahrhunderts zurück gehen. Genauer gesagt handelt es sich um das Jahr 1610. Pankraz Müller, seines Zeichens Postmeister, rief damals den ersten urkundlich nachweisbaren Lesezirkel ins Leben. Für einen halben Taler konnten die „Dorfobersten“ handschriftliche Nachrichten aus verschiedenen Zeitungen mieten. Die Mietzeit war auf ein paar Stunden beschränkt und bezahlen mussten sie für diese Dienstleistung einen halben Taler.

An der Schwelle zum 19. Jahrhundert erkannten die Buchhändler, dass sie sich mit der Ausleihe von Lektüre einen netten Nebenerwerb verschaffen konnten. In den nächsten fünf Jahrzehnten entstanden mehr als 1.000 solche Lesezirkel. Erst etwa 1850 wurden die ersten gewerblich betriebenen Lesezirkel nach heutigem Verständnis gegründet. Im Gegensatz zur vorher üblichen Abholung und Rückgabe der Lektüre durch den Kunden wurden nun verstärkt auch Hauslieferungen und Abholungen durch Boten mit ins Programm aufgenommen. Das Wachstum dieser Branche sorgte dafür, dass 1908 in der sächsischen Buchmetropole Leipzig der „Verband der Besitzer Deutscher Lesezirkel“ gegründet wurde. Damit wurden der Vertrieb und die Bewerbung der Angebote weitgehend standardisiert.

Ein weiterer Blick in die Chroniken der Lesezirkel beweist, dass sich die Verleihdauer verkürzte. Anfänglich konnten die Zeitschriften über mehrere Monate behalten werden. Heute sind Verleihdauern von wenigen Tagen bis hin zu zwei Wochen üblich. Die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts sorgten für einen Meilenstein in der Geschichte der Lesezirkel. In diese Zeit fallen nämlich die ersten Angebote der so genannten Wunschmappen, bei denen sich der Abonnent sein Sortiment nach eigenen Wünschen zusammen stellen kann.