Chroniken des Wohnungsmarktes

Suburbanisierung und Umzug in attraktivere Städte

Nach der Wiedervereinigung erfuhr der Wohnungsmarkt im Osten Deutschlands nach 1990 tiefgreifende Veränderungen, die sowohl das Angebot als auch die Nachfrage betrafen. Eines der Hauptanliegen der bundesdeutschen Politik bestand zu jener Zeit in der Privatisierung der Wohnungsbestände in Ostdeutschland. Insgesamt etwa ein Siebtel des Wohnungsbestandes wurde nach der Wende von Alteigentümern zurückgefordert, obwohl die Rückgabewahrscheinlichkeit sehr gering war. Die Rückübertragungsansprüche stehen zum Teil heute noch der Stadtentwicklung in ostdeutschen Städten im Weg.

Sowohl Ost- als auch Westdeutschland erlebten in den Jahren nach der Wiedervereinigung einen spürbaren Bauboom, der 1994 im Westen und 1997 im Osten seinen Höhepunkt erreichte. Der Wohnungsbau hielt im Osten länger an, da die Menschen nicht mehr in den alten Plattenbauten wohnen wollten und attraktivere Wohnalternativen bevorzugten. Staatliche Förderprogramme, wie beispielsweise die Wohnungsbauprämie, und technische Möglichkeiten verhalfen vielen Menschen dazu, ihren Traum zu verwirklichen. Nach dem Erreichen der Gipfel ging die Bautätigkeit jedoch deutlich zurück und erreichte Werte, die mit denen der 50er Jahre vergleichbar sind. Die wirtschaftliche Lage und der Bevölkerungsrückgang führten in wenigen Jahren allerdings dazu, dass ein Wohnungsüberschuss entstand.

Die Zeit nach der Wende ist im Osten Deutschlands, aber zum Teil auch im Westen von zwei Prozessen geprägt. Auf der einen Seite schrumpften die Städte, da die Bewohner ein Eigenheim im Grünen bevorzugten oder in andere Bundesländer zogen und auf der anderen Seite wurden städtische Quartiere zurückgebaut. Ostdeutschland erlitt seit der Wende in großen Teilen einen extremen Bevölkerungsverlust, der teilweise Werte von über 25% erreichte. Aber auch alte Bundesländer waren davon betroffen. Hierzu gehörten Bremen, das Saarland, aber auch das Ruhrgebiet. Ostdeutsche Städte wiesen nach der Wende zudem einen Suburbanisierungsanteil von geschätzten 60% auf, der auf die zunehmende Mobilität in allen Lebensbereichen zurückgeführt werden kann. Nur wenige deutsche Oststädte, wie beispielsweise Berlin, Leipzig und Jena waren durch Bevölkerungszuwachs gekennzeichnet. 

Die Stadtentwicklungskonzepte der Bundesregierung aus dem Jahr 2001 standen bis 2009 den Kommunen zur Seite, um dem Bevölkerungsrückgang und den damit verbundenen Folgen gewachsen zu sein. Zahlreiche Kommunen setzten die Konzepte um und konnten mit der zunehmenden Attraktivität der Städte auch Teilerfolge erzielen.

Die derzeitige Wohnsituation ist durch einen gespaltenen Markt gekennzeichnet. Preiswerte Wohnungen sind in vielen westdeutschen Metropolen wie Hamburg und München Mangelware, da dort in den vergangenen Jahren zu wenig gebaut wurde, um der ständig zunehmenden Nachfrage gerecht zu werden, während viele Innenstädte in den neuen Bundesländern nach wie vor mit einem Überangebot an Wohnraum zu kämpfen haben. Die Wohnungsknappheit in Großstädten wie Hamburg hat inzwischen extreme Ausmaße angenommen, von der insbesondere die sozial schwache Bevölkerungsschicht betroffen ist. Die Lage wird sich auch in den nächsten Jahren nicht entspannen, wenn nicht ausreichend neue Wohnungen geschaffen werden, die dem anhaltenden Zuzug gerecht werden können.

 

 

 

 

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